Vor einer Woche habe ich mir ein Fahrrad gekauft. Ein „second-Hand“ Modell, welches wieder einwandfrei fährt.
An jenem Samstag war so wundervolles Wetter, dass ich spontan eine kleine Fahrradtour am Rhein machte. Ich flog nur so auf den Wegen entlang und genoss die klare Sonne und einen frischen Fahrtwind. Nach ca. drei Kilometern und einer kleinen Eispause, beschloss ich mich auf den Rückweg zu machen. Und da plötzlich - heftigster Gegenwind! Das war ein Geacker und Geracker…Da sieht man es mal wieder- mein neues Fahrrad ist zwar toll, aber das Gefühl vom Fliegen wurde mir durch die entsprechende Unterstützung des Windes vermittelt. Rückendwind, im übertragenen Sinne, auf ein stärkendes Umfeld bezogen, ist etwas, das einen vorantreibt und Energie gibt. Man entwickelt Momentum und hat irgendwann das Gefühl ganz leicht voran zukommen oder sogar zu fliegen. Dieses stärkende und unterstützende Umfeld habe ich während der zwei Tage auf dem Wi.n.d. - Symposium sehr deutlich gefühlt.
Dort haben sich völlig fremde Menschen zusammengefunden, um über die „Zukunft der Arbeit, Arbeit der Zukunft“ zu phisolophieren und zu diskutieren - kurz sich auszutauschen. Unternehmer, Gründer, Studenten, Mütter und Väter, Professoren, Künstler- ein bunter Haufen.
Es fällt mir schwer, die vielen Anregungen und Ideen auf wenige Zeilen zu bringen und festzuhalten. Dennoch, ein Versuch ist es Wert: Wir haben uns unter anderem mit der Notwendigkeit auseinandergesetzt, feststehende Begriffe zu hinterfragen und vielleicht neu zu definieren. In Workshops und durch Impulsvorträge, bei lockeren Gruppengesprächen und kreativen Prozessen wurden viele zukunftsträchtige Begriffe, wie Arbeit, Demokratie, Grundeinkommen, Teamarbeit und Burn-out, um nur einige Beispiele zu nennen, bearbeitet.
Witzige, ernste, lange und kurze Präsentationen der Ergebnisse brachten uns immer wieder auf den neusten Stand, sodass man ein gewisses Gefühl dafür bekam, womit sich die anderen die letzten zwei Stunden auseinandergesetzt hatten. Um morgens oder nach dem leckereren Mittagsessen wieder wach zu werden und energiegeladen an die nächsten Denkherausforderungen gehen zu können, gab es kleine, stimmliche und körperliche Übungen. Klatschend und stampfend sangen wir z. B mit der gesamten Gruppe einen Kanon.
Einlagen, wie der Monolog des Schauspielers Florian Stern oder der leckere Beitrag der „Aufschnitt- Kunstaktion“ von Muyan Lindena, gaben uns Teilnehmern neue Impulse und Einblicke, wie die Auseinandersetzung mit so wichtigen Themen stattfinden kann.
Den Rahmen, für diesen Raum der kreativen Möglichkeiten, wurde uns von den engagierten Mitgliedern der Wi.n.d- Initiative geboten und liebevoll bis ins kleinste Detail organisiert. Ein „Rundum- Wohlfühl- Paket“, sodass man sich voll und Ganz seinen Ideen und Gedanken hingeben konnte. Und dabei ist so einiges, ganz konkretes entstanden: z.B. die Idee zu einem Kulturcafé „Campus III“, oder das Angebot von wöchentlichen Veranstaltungen zum Thema Grundeinkommen an der Hochschule.
Dieses Symposium gab Denkanstöße vielfältigster Art, sodass für manche Teilnehmer sicherlich ein frischer Wind die festgefahrenen Gedanken herumwirbelte. Andere wiederum, fahren nun vielleicht mit neuem Rückenwind ihren konkreten Zielen entgegen.
Text: Sarah Deutschmann Foto Florian Stern: Dimitri Eisenmeier
